Region
Beschreibung
Geschichte der Stadt St.Pölten
von www.st-poelten.gv.at
Urgeschichte
Römerzeit,
Völkerwanderung
Mittelalter
Neuzeit
Barockzeit
Das 19.
Jahrhundert
Das 20.
Jahrhundert
Auf dem Weg ins
21. Jahrhundert
Urgeschichte
Die Zeit, aus der es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, wird nach den
hauptsächlich für Werkzeuge und Waffen verwendeten Materialien benannt: Steinzeit,
Bronzezeit, Eisenzeit. Mit Hilfe modernster Technologien können Archäologen aus
Bodenfunden und Luftaufnahmen ein recht detailliertes Bild des damaligen Lebens
nachzeichnen. Vor allem für die Zeit ab dem Sesshaftwerden der Menschen
(Jungsteinzeit), die nun Ackerbau und Viehzucht betrieben, kann im Raum St.Pölten
rege Siedlungstätigkeit nachgewiesen werden. Insbesondere Friedhöfe sind für die
Forschung wichtig, denn den Toten wurden Gegenstände des täglichen Lebens und
Schmuck ins Grab gelegt, wobei die Bestattungsformen sich im Lauf der Zeit änderten
- was der Archäologie wiederum wertvolle Anhaltspunkte zur zeitlichen Bestimmung
gibt. Dabei wäre St.Pöltens Urgeschichte nicht halb so gut dokumentiert ohne den
Bau der Schnellstraße S33 und anderer Großbauten, bei denen Millionen Kubikmeter
Erdreich bewegt wurden - unter den wachen Augen des Bundesdenkmalamtes!
Ein letztes urgeschichtliches Kapitel prägten die Kelten, die etwa 450 vor Christus
unser Gebiet besiedelten und neben einer neuen Kultur und Religion auch die
Töpferscheibe mitbrachten. Das Königreich Noricum beeinflusste bis zum Eindringen
der Römer die Entwicklung in unserer Gegend.
Römerzeit, Völkerwanderung
Die Römer eroberten im Jahr 15 vor Christus das Keltenreich und errichteten
nachfolgend die römische Provinz Noricum. Grenzen wurden durch Militärlager
(Kastelle) geschützt, im Hinterland entstanden Zivilstädte, fast alle nach dem
gleichen Plan systematisch angelegt. Die Zivil- und Handelsstadt Aelium Cetium, wie
St.Pölten hieß (Stadtrecht 121/122), bestand im 4. Jahrhundert bereits aus
beheizbaren Steinhäusern, Handel und Handwerk brachten blühendes städtisches Leben
hervor, ehe sich die Römer im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts nach Italien
zurückzogen.
Der nachfolgende Zeitabschnitt ist als Völkerwanderungszeit in die
Geschichtsschreibung eingegangen, für die die Besiedlung der St.Pöltner Innenstadt
nicht nachgewiesen werden kann. Gräberfelder zeugen vom Aufenthalt der Langobarden
in unserem Gebiet, später waren es die Awaren, die ihr Reich bis zur Enns
ausdehnten.
Mittelalter
Mit der Unterwerfung der Awaren durch Karl den Großen um das Jahr 800 konnte das
Christentum Fuß fassen, indem das bayrische Benediktinerkloster Tegernsee hier ein
Tochterkloster errichtete - als Gründer werden die Brüder Adalbert und Ottokar
genannt -, ausgestattet mit den Reliquien des hl. Hippolyt. Der Name St.Ypolit
sollte sich im Lauf der Jahrhunderte zu St.Pölten wandeln. Nach den Ungarnkriegen
und der Neubesiedlung des Klosters als Augustiner Chorherrenstift unter dem
Einfluss von Passau erhielt St.Pölten Mitte des 11. Jahrhunderts das
Marktrecht.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konstatierten die Geschichtsforscher,
dass Urkunden, in denen die Rechte der Bürger festgehalten wurden, als Stadtrecht
zu bezeichnen seien. Wien wird zwar schon 1137 als Stadt ("civitas") urkundlich
erwähnt, das älteste Wiener Stadtrecht stammt aber erst aus dem Jahr 1221, während
der Passauer Bischof Konrad bereits 1159 den St. Pöltnern verbriefte:
• Ein St.Pöltner Bürger, der sich vor Gericht zu verantworten hat, hat das Recht,
sich eines "Fürsprechers" zu bedienen.
• Er darf nicht gezwungen werden, sich von der Anklage durch ein Gottesurteil zu
reinigen.
• Ein St.Pöltner Bürger darf nur durch Aussagen von Mitbürgern, nicht von Fremden,
überführt werden.
Ab dem 13. Jahrhundert übte ein vom Stadtherrn eingesetzter Stadtrichter als
Vorsitzender der Ratsversammlungen und des Stadtgerichts die niedere und die hohe
Gerichtsbarkeit aus, Innerer und Äußerer Rat unterstützten ihn bei der
Rechtsfindung. Schauplatz der öffentlichen Urteilsverkündung war der im 13.
Jahrhundert angelegte neue Marktplatz, der "Breite Markt", heute Rathausplatz.
Ursprünglich quadratisch, wurde er erst in späterer Zeit auf ein Rechteck
verkleinert. Um ihn herum entstand das Marktviertel, das gemeinsam mit dem
Klosterviertel, dem Holzviertel und dem Ledererviertel durch eine doppelte
Stadtmauer geschützt wurde.
St.Pöltens Abhängigkeit vom Passauer Bistum zeigte sich in Stadtwappen und
Stadtsiegel. Angelehnt an das Wappentier des Stadtherrn, also des Bischofs von
Passau, zeigt es einen aufrecht stehenden Wolf, der in der Tatze einen Bischofsstab
hält.
Neuzeit
Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Kaiser Friedrich III. und
König Matthias von Ungarn verpfändete der Passauer Bischof die Stadt an den
Ungarnkönig. Ab 1485 stand ganz Niederösterreich unter ungarischer Herrschaft. Das
bedeutendste Dokument dieser Zeit ist die Verleihung des Stadtwappens durch König
Matthias Corvinus aus dem Jahr 1487. Nach dem Tod der Kontrahenden 1490 bzw. 1493
konnte Friedrichs Sohn Maximilian Niederösterreich zurückerobern. Er betrachtete
St.Pölten als Kriegsbeute und dachte nicht daran, sie dem Bistum Passau
zurückzugeben. Die Stadtherrschaft wurde in der Folge oft verpachtet, so etwa an
die Familie Wellenstein, später an die Familien Trautson und Auersperg.
Dass St.Pölten nun eine landesfürstliche Stadt war, kam im Wappenbrief des Königs
Ferdinand I. von 1538 zum Ausdruck: Von nun an hatte der Wolf keinen Bischofsstab
mehr, und die aus Betrachtersicht linke Hälfte zeigte den umgekehrten
österreichischen Bindenschild, also Silber-Rot-Silber.
Auf das 16. Jahrhundert geht auch der Bau des St.Pöltner Rathauses zurück. Das 1503
von Richter und Rat erworbene Haus wurde nachfolgend erweitert, umgebaut,
aufgestockt und mit einem Turm versehen.
Ein für die Stadtgeschichtsforschung bedeutsames Bild, 1623 gemalt, hat Szenen des
Bauernaufstandes von 1597 festgehalten, gewährt aber auch einen Blick auf die Stadt
und lässt den Betrachter manche Details des damaligen Bauzustandes ablesen. Die
wirtschaftlichen Misslichkeiten jener Zeit wurden durch den Dreißigjährigen Krieg
nur verschärft, zu dessen Ende ein Fünftel der Häuser unbewohnt und die
Bürgerschaft verarmt war.
Barockzeit
Nach der erfolgreichen Türkenabwehr 1683 begann sich die Wirtschaft zu erholen und
ein beachtlicher Bauboom setzte ein. Niederösterreich verwandelte sich in das Land
der barocken Stifte und Klöster, das uns noch heute vertraut ist.
In St.Pölten ist die Veränderung des Stadtbildes eng mit dem Barockbaumeister Jakob
Prandtauer verbunden. Neben der Barockisierung des Dominneren gehen eine Reihe von
Bauten in St.Pölten auf sein Konto, so der Umbau des Schlosses Ochsenburg, die
Errichtung des Schwaighofes und des Kernbaus des Institutes der Englischen Fräulein
- ab 1706 Sitz des ersten St.Pöltner Schulordens - sowie mehrerer
Bürgerhäuser.
Joseph Munggenast, Neffe und Mitarbeiter Prandtauers, führte die Barockisierung des
Domes zu Ende, barockisierte die Fassade des Rathauses (1727) und zahlreiche
Bürgerhäuser und entwarf eine Brücke über die Traisen, die bis 1907 bestand. An der
Ausstattung der kirchlichen Bauten arbeiteten durchwegs Tiroler mit, die Jakob
Prandtauer aus seiner Heimat nach St.Pölten geholt hatte, etwa Paul Troger und
Peter Widerin.
Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II.: Ihre Reformen hinterließen auch in der
Stadt des 18. Jahrhunderts deutliche Spuren. Schulgründungen als Folge der
allgemeinen Schulpflicht, die Klosteraufhebungen und nachfolgend - ab 1785 -
St.Pöltens neue Rolle als Bischofssitz sind Auswirkungen ihrer Politik.
1785 war auch das Jahr einer grundlegenden Abänderung der alten Ratsverfassung: Der
Stadtrichter wurde durch einen aus fünf Personen bestehenden Magistrat abgelöst, an
dessen Spitze ein Bürgermeister stand. Zum ersten Bürgermeister wurde der Maler
Josef Hackl gewählt.
Das 19. Jahrhundert
Trotz der Napoleonischen Kriege - St.Pölten wurde 1805 und 1809 von Franzosen
besetzt - und trotz des Staatsbankrotts von 1811 stieg die Zahl der Gewerbebetriebe
beständig an, wenngleich die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt vorerst nicht über
die engere Umgebung hinausging.
Vor dem Hintergrund der Überwachung durch die staatliche Geheimpolizei, die
zwischen dem Wiener Kongress und der Revolution 1848 jedes politische Engagement
verhinderte, zogen sich die Bürger ins Privatleben zurück. Familiensinn,
Hausmusikpflege, prominente Salongesellschaften, in denen selbst ein Franz Schubert
verkehrte, oder der Bau des Stadttheaters waren sichtbare Zeichen dieser
Gesinnung.
Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt setzte erst nach der Revolution des Jahres
1848 ein. Voraussetzung dafür war der Bau der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn, die
Wien, Linz, bald auch Salzburg in erreichbare Entfernung rückte. Die Stadtmauern
wurden geschleift, St.Pölten konnte sich entfalten. Die verkehrstechnisch günstige
Lage begünstigte Fabriksgründungen, und so entstanden eine Spitzenfabrik, eine
Revolverfabrik, eine Seifenfabrik oder etwa, als Vorläufer eines späteren
Großunternehmens, die Borten-, Bänder- und Strickgarnerzeugung des Matthias Salcher
in Harland.
Auch auf anderen Gebieten machte die Gründerzeit ihrem Namen in St.Pölten alle
Ehre: Die Stadt bekam Schulen, ein Krankenhaus, Gaslaternen, Kanalisation, Warmbad
und Sommerbad.
Das 20. Jahrhundert
Am Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen weiteren Entwicklungsschub,
eingeleitet durch den Bau des Elektrizitätswerkes 1903, denn Strom war die
Voraussetzung für die Ansiedelung von Großbetrieben. Insbesondere die Firmen Voith
und Glanzstoff sowie die Hauptwerkstätte der Bundesbahnen zogen viele Arbeiter an.
Neue Traisenbrücke, Straßenbahn, Mariazellerbahn und andere Infrastrukturbauten
wurden errichtet; St. Pölten erhielt eine Synagoge. Der Jugendstil hielt mehrfach
Einzug in die innerstädtische Architektur - man denke nur an das Olbrich-Haus - und
befruchtete auch die Malerei, als deren Exponenten Ernst Stöhr oder Ferdinand Andri
zu nennen sind.
Was der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Großen für die Monarchie bedeutete, bekam
im kleineren Maßstab auch St.Pölten zu spüren. Die Stadt wurde durch die
Stationierung von Truppeneinheiten, ein Kriegsgefangenenlager, ein Truppenspital
und ein Lazarett schwer belastet. Industriebetriebe wurden teils für die
Kriegsproduktion umgerüstet, teils geschlossen. Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und
Lebensmittelmangel waren noch lang nach Kriegsende schmerzlich zu spüren.
Der 1919 zum Bürgermeister gewählte Sozialdemokrat Hubert Schnofl versuchte nach
dem Krieg den Lebensstandard der Menschen zu heben, indem er die soziale Fürsorge
und das Gesundheitswesen verbesserte. Die Gründung einer Wohnungsgenossenschaft,
der Bau der Wasserleitung und die Neugründung von Fabriken waren weitere Versuche,
die erstarrende Wirtschaft anzukurbeln, deren Talfahrt bis 1932 nicht zu stoppen
war.
Nachdem das nationalsozialistische Regime falsche Hoffnungen geschürt und die Welt
in einen Krieg gestürzt hatte, war St.Pölten nicht mehr die Stadt von zuvor. Nicht
nur die zehn verheerenden Bombardements des letzten Kriegsjahrs hatten Spuren
hinterlassen, auch die restriktive Verfolgung von Juden und politisch anders
Denkenden hatte Löcher in das Gefüge der Bevölkerung gerissen. Zehn Jahre russische
Besatzung taten nachfolgend ein Übriges, die Bevölkerung zu traumatisieren, aber in
dieser Zeit erstand aus den Trümmern ein moderneres St.Pölten, mit neuer
Traisenbrücke, Fernheizwerk, Schulen.
Dieser Trend hielt an, eine Epoche des Aufschwungs und der Modernisierung ließ das
Wirtschaftswunder spürbar werden. Bereits 1972 wurde - wenn auch maßgeblich als
Folge von Eingemeindungen - die 50.000-Einwohner-Grenze überschritten.
Landeshauptstadterhebung: Kein anderes Ereignis hätte in dieser Dimension zur
Initialzündung eines bis heute anhaltenden Entwicklungsschubs werden können.
Seither wurden im großen Stil neue Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen,
Infrastrukturbauten errichtet, Schulen und Hochschulen zur Bereicherung der
Bildungslandschaft ins Leben gerufen. Östlich der Altstadt entstand der Regierungs-
und Kulturbezirk, und die Liste von Architekten trägt klangvolle Namen wie Ernst
Hoffmann (NÖ Landhaus; Klangturm), Klaus Kada (Festspielhaus), Hans Hollein
(Shedhalle und NÖ Landesmuseum), Karin Bily, Paul Katzberger und Michael Loudon (NÖ
Landesbibliothek und NÖ Landesarchiv).
Europadiplom, Europafahne, Ehrenplakette, Europapreis: Zwischen 1996 und 2001
empfing St.Pölten zahlreiche Würdigungen seines EU-Engagements - gewissermaßen als
Anerkennung des Europarats für die Verbreitung des EU-Gedankens durch
internationale Städtepartnerschaften, eine große Europa-Ausstellung oder etwa die
Gründung und den Vorsitz des "Netzwerks der Europäischen Mittelstädte".