Die Gründung 1932

 

Das Jahr 1932 war für Villach aus zweierlei Gründen bedeutungsvoll. Die Stadt wurde unter Bürgermeister Pomaroli autonom und erhielt den Status eines eigenen Bezirkes, der Rotary Club Villach wurde aus der Taufe gehoben.

 

Um den Gründungspräsidenten, den Musikprofessor August Lange, fanden sich im Geiste von Toleranz und selbstloser Hilfsbereitschaft einige idealistische Persönlichkeiten aus unserer Stadt bereit, trotz Wirtschaftskrise und ungünstiger ökonomischer Bedingungen einen neuen Club ins Leben zu rufen.

 

Das Team der ersten Stunde wies neben dem Präsidenten die folgenden Namen auf:

 

Dr. Gustav Baum (Chemische Industrie)

Franz Baumgartner(Architekt)

Josef Brugger (Kolonialwaren)

Dr. Otto Clementschitsch (Rechtsanwalt)

Hans Eder (Landwirtschaftliche Produkte)

Rudolfv. Gall (Landwirtschaft)

Karl Hennefeld (Zellulose-Industrie)

Arnold Kleindl (Schwachstromwesen)

Hans Koutnik (Brau-Industrie)

Cav. Cesare Marchi [Holzexport]

Richard Moro (Starkstromwesen)

Konrad Neher (Emailwaren-lndustrie)

Franz Neuhold (Post- und Telegraph)

Dr. Peter Pichler (Zahnheilkunde)

Dr. Anton Schrott (Dermatologie)

Friedrich Sommer (Notenbank)

Otto Stage (Fremdenverkehr)

Dr. Alfred Tschamer (Balneologie)

Albert Wirth (Forstwirtschaft)

 

Die Verbreitung des rotarischen Gedankens in Österreich begann 1925 von Wien aus. 1928 wurde der Rotary Club Klagenfurt, unser späterer Patenclub, gechartert, auf den als 11. und letzter österreichischer Club vor dem Krieg der Rotary Club Villach im Jahre 1932 folgte.

  

Die Gründung selbst fand in drei Etappen statt:  dem Gründungsmeeting am 21. September 1932 im Parkhotel Villach (siehe Wochenbericht Nr, 1),  dem Eintreffen der Charterurkunde in Wien und der Überreichung derselben durch Governor Prinzhorn bei der Charterfeier, die am 18. Februar 1933  in den im geschmackvollen Festschmuck prangenden Räumen des Parkhotels in Villach stattfand und den "Charakter eines überaus eindrucksvollen Festaktes von stärkster rotarischer Resonanz trug." Präsident Forchheimer vom Rotary Club Klagenfurt gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass der junge Villacher Club sich so rasch zum eigenständigen Leben entfaltet habe und überreichte zum Zeichen rotarischer Verbundenheit ein sehr schön ausgeführtes Gästebuch. Unserem Rotary Club Villach wurde vom Governor aufgetragen, "als südwestlichster Grenzclub des Distriktes im internationalen Dienstgedanken erfolgreich zuwirken."

Präsident Lange dankte für die Überreichung der Charter und gelobte im Namen des Clubs die rotarische Treue. Das Fest klang aus mit dem Kärntner Heimatlied, das alle anwesenden Rotarier zur Verherrlichung des schönen Landes Kärnten anstimmten.

 

 

Die Jahre von 1932 bis 1938

 

Der Gründungspräsident übte sein Amt von 1932 bis 1935 aus. Als Zeichen präsidialer Würde und Autorität diente ihm ein von Freund Baumgartner, damals Direktor an der k. k. Staats-Handwerkerschule, entworfener und an dessen Schule geschnitzter Hammer. Dieses Prachtstück wurde bei der Führung der rotarischen Geschäfte eingesetzt, diente Präsident Lange und seinen Nachfolgern wohl dann und wann auch zur Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung.

 

Schon im ersten Bestandsjahr wurden die umfangreichen "Statuten und Nebengesetze des Rotary-Klubs Villach" beschlossen und die damaligen sechs Rotary Ziele den Mitgliedern näher gebracht.

 

Der Rotary Club Villach nahm bereits kurz nach der Charter Kontakte mit dem ln- und Ausland auf. Die Beziehungen zum Rotary Club Klagenfurt waren eng und wurden von beiden Seiten gerne gepflegt; man traf einander zumindest zweimal im Jahr, um die Freundschaft zu vertiefen. Beim ersten Weihnachtsmeeting, gleichzeitig das erste Damenmeeting, wurde eine große Delegation von Klagenfurter rotarischen Freunden mit weiblicher Begleitung im Villacher Parkhotel begrüßt.

Das erste lntercity Meeting fand in Klagenfurt statt.

 

Schon im Dezember 1932 begann der Rotary Club Villach rotarische Kontakte über die Grenzen nach Jugoslawien zu knüpfen. Präsident Lange lud die Rotarier vom Rotary Club Ljubljana zur grenzüberschreitenden Freundschaft ein. Beim ersten Besuch in Villach betonte Präsident Krejci, " ... dass der Rotary Club Villach und der Rotary Club Ljubljana prädestiniert sind, der Welt zu zeigen, dass die Ziele Rotarys nicht nur schöne und hochfliegende ldeen vorstellen, sondern auch wahrhaftige Ausübung dieser ldeen bedeuten. Unser Besuch bei Euch und die engen Beziehungen, die wir mit aufrichtiger Zuneigung aufnehmen wollen, sollen der Welt einen schlagenden Beweis liefern, dass Rotary jenes erreichen kann, was allen Bemühungen der Staatsmänner bisher nicht gelungen ist." Der Gegenbesuch in Ljubljana im folgenden Jahr, von dem Rotarier Tschamer berichtete, vertiefte die Beziehungen sehr: " ... bald war die allgemeine Verbrüderung geschlossen und bis in die frühen Morgen- stunden vereinten Herzlichkeit und Humor die neuen Freunde."

 

Im April 1933 besuchte Rotarier Marchi, der durch seine Geschäftsbeziehungen mit ltalien die Landessprache ausgezeichnet beherrschte, den Rotary Club Milano, fand dort herzliche Aufnahme und konnte durch häufiqe Kontakte die Verbindung mit den neuen italienischen Freunden ausbauen und festigen. lhm oblag es auch, unseren Club über die rotarische Bewegung in ltalien zu informieren.

 

Die Meetings fanden am Mittwoch um 8 Uhr abends statt. Das erste Clublokal war das Parkhotel in Villach. Während des Sommers übersiedelte man bis Ende August nach Warmbad, wo sich die Freunde, betreut vom Hausherrn Freund Tschamer und dessen Gattin, besonders wohl fühlten. Man hatte selten einen eigenen Raum zur Verfügung, sondern mischte sich unters Kurvolk, was zwar kurzweilig, aber rotarisch wenig intensiv war.

 

Das Vortragsprogramm wurde hauptsächlich von den Clubmitgliedern selbst bestritten. Da es anfangs noch keinen Vortragsmeister gab, war es für jeden Ehrensache, seinen Beitrag als Referent zu leisten. 1m ersten Clubjahr waren fast alle 20 Mitglieder für einen Abend verantwortlich. Die Thematik der Vorträge war eher techniklastig, weil die Mehrzahl der Mitglieder in der lndustrie beschäftigt und mit technischen Aufgaben betraut war. Natürlich erlebte auch das Vortragswesen

Höhen und Tiefen, sodass Präsident Wirth im 4. Clubjahr die Freunde wissen ließ, dass bei jedem 2. Meeting Vorträge gehalten und die Themen frühzeitig bekannt gegeben werden sollten. Erst im letzten Bestandsjahr

1937/38 gab es dann einen Unterausschuss für Clubleben und Programm: Der Vortragsmeister war geboren.

 

Die Wahl des Vorstandes erfolgte - wie heute - in der Jahreshauptversammlung, die satzungsgemäß am ersten Mittwoch im April abgehalten wurde. In der 1. Hauptversammlung im April 1933 wurden die bisherigen Ämterführer im Vorstand belassen. Neu gewählt wurden der Zweck- und Zielausschuss, der Clubdienstausschuss, der Internationale Dienstausschuss und der Klassifikations- und Mitgliedschaftsausschuss. In den Folgejahren wurde 3 oder 4 Wochen vor der Hauptversammlung ein "Wahlausschuss zur Bestellung der neuen Ämterführer" bestimmt, dessen Mitglieder vom Präsidenten bestimmt wurden.

 

Bezüglich der Dauer der Mitgliedschaft bei Rotary hat bis heute eine tief greifende Änderung Platz gegriffen. In den Dreißigerjahren hörte man auf Rotarier zu sein, wenn man seine aktive Berufslaufbahn beendet hatte. Man konnte dann, jeweils auf ein Jahr, zum Ehrenmitglied ernannt werden. Dieses Prozedere musste jährlich erneuert werden. Wie beruhigend ist es dagegen in unseren Tagen, wo die Clubmitgliedschaft erst mit dem Ableben erlischt.

 

Die Präsenz, damals Frequenz genannt, war vom ersten Tag an vorbildlich. Bei Nichterscheinen wurde eine telefonische Entschuldigung, spätestens bis 11 Uhr des betreffenden Tages, gefordert. Unentschuldigtes Fernbleiben wurde mit S 3,50 zu Gunsten der Clubkassa geahndet. Präsident Baumgartner erhöhte das Pönale auf S 5,00, heute ca. 35. Immerhin lagen die Präsenzstatistiken immer über 80%, was unserem Club großes Lob im "Rotarier" einbrachte.

 

Der Rotary Club Villach hatte sich in einer Zeit, in der sich die politische Situation mehr und mehr verdüsterte, gut entwickelt und erfuhr für sein Wirken bei jeder sich bietenden Gelegenheit, insbesondere bei Distriktskonferenzen, hohes Lob für seine rotarische Tätigkeit. Diese so erfolgreiche Anfangsphase fand am 18. März 1938 durch die Selbstauslösung aller österreichischen Clubs sein Ende.

 

 

 

Der Neubeginn 1954

 

Die Schrecken des Krieges und die Entbehrungen der Nachkriegszeit gehörten seit einem knappen Jahrzehnt endlich der Vergangenheit an, eine beglückende Aufbruchstimmung hatte die Menschen in Österreich erfasst.

Neue Großprojekte belebten die Wirtschaft. Der Kulturfreund freute sich über die Neugründung der Wiener Kammeroper und der Galerie nächst St. Stefan, die in der Folge auch viele bedeutende Kärntner Maler, wie Maria Lassnig, Kiki Kogelnik, Hans Staudacher, Bruno Gironcoli u.v.a. präsentierte.

ln dieser allgemeinen Aufbruchstimmung fand sich in Villach um Heinz Zak eine Gruppe mit dem Wunsch, wieder einen Rotary Club zu etablieren. Die Zeit schien reif zu sein für einen solchen Schritt, denn diesen Gedanken hegten auch einige Spittaler Persönlichkeiten. So kam es dann im Juni 1954 unter der Patronanz des Rotary Club Klagenfurt im Schloss Velden zur ersten Doppelcharter nach dem Krieg. Gerade daraus begründete sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Clubs an der Drau. Im Kreis der Gleichgesinnten um den Gründungspräsidenten Heinz Zak waren einige weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Persönlichkeiten: Montaningenieur Hans Malzacher, Generaldirektor der Hermann-Göring-Werke in Linz und in der Folge der Steyr-Daimler-Puch AG, der Physiker Carl Wilfried Fieber, der maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der V2-Rakete hatte, der Wirtschaftstreuhänder und Humanist Eberhard Birnbacher, der Fotograf und archäologische Experte für Kärntner Vor- und Frühgeschichte Walter Görlich, der Kaufmann Josef Brugger, der Arzt Erich Sumalvico, der Unternehmer Harald Pehr oder der Notar Kurt Cholewa.

 

 

 

ln ihrer Grußbotschaft anlässlich unserer 75-Jahr-Feier Feier setzen sich zwei Spittaler Freunde, PDG Peter-Christian Herbrich und Präsident Erwin Soravia, auf heitere Weise mit der jahrzehntelangen gemeinsamen rotarischen Vergangenheit auseinander und wünschen ihrem Zwillingsclub, dem Rotary Club Villach, alles Gute und weiterhin viel Freude in Rotary:

 

"Das Besondere an der Wiedergründung des Rotary Club Villach ist, dass auf den Tag genau - es war der 19. Juni 1954 - auch der Rotary Club Spittal/Drau gegründet wurde. Die gemeinsame feierliche Clubgründung der beiden "Zwillingsclubs" fand im Schlosshotel Velden statt, und die beiden Charterurkunden wurden den jungen Clubs im damals neu renovierten Festsaal des Schlosses Porcia übergeben. Bis zum letzten Platz füllten an die 200 Teilnehmer aus mehreren Ländern den Saal und souverän gestalteten die beiden Gründungspräsidenten Heinz Zak und Wilhelm Hurka das damals noch recht seltene große rotarische Fest.

 

Diese gemeinsam gestaltete Charterfeier war auch der Beginn einer engen Freundschaft zwischen den Rotariern beiden Draustädte. Vor allem in den ersten Jahren gab es zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen, wobei in der Chronik des Rotary Club Spittal/Drau auch einige durchaus heitere Episoden dokumentiert sind. Und besonders für die jüngeren Freunde sei darüber wieder einmal berichtet.

 

So besuchten die Villacher Freunde den Rotary Club Spittal am 15. November 1954 und überreichten einen "Goldenen Wimpel". Die Überraschung der Villacher war groß, als sie zum Ende des Meetings eine während des Meetings eigens gedruckte Präsenzurkunde mit den Namen aller anwesenden Villacher Freunde übergeben bekamen.

 

Am 26. März 1956 kam es zu einer Geldspende der besonderen Art: Unter der Führung von Präsident Heinz Zak wurden den Spittaler Freunden Geldsäcke mit 5- und 10-Groschenstücken überreicht. Der Spittaler Clubmeister benötigte damals zum Abtransport dieser Geldsäcke einen Leiterwagen.

 

 

Am 1. April 1957 - ein an sich bereits denkwürdiges Datum (!) - traf vor dem Meeting der Villacher Freunde eine in München aufgegebene Depesche ein, dass ein "auf Charterreise befindlicher schottischer Club" am Meeting teilnehmen werde. Da sich die Depesche bei ihrer Überprüfung als hieb- und stichfest erwies, beschlossen die Villacher Freunde, in einen größeren Raum zu übersiedeln und man ließ 16 zusätzliche Gedecke vorbereiten. Es trafen wirklich 16 - als waschechte Schotten verkleidete - Spittaler Freunde ein.

 

Die Revanche der Villacher fand dann am 24. Juni 1957 statt: Die Spittaler fanden "ihr" Clublokal in der "Alten Post" von einer Gruppe "Naturburschen" besetzt vor, die mit kräftigen alpenländischen Gesängen für den Besuch des Villacher Volksfestes warben ...

 

Durch die Verlegung des Villacher Meetingtages auf den Montag - auch die Spittaler trafen einander am Montag - wurden die gegenseitigen Kontakte ab 1959 immer spärlicher. Aus diesem Grund zogen daher 13 Spittaler Freunde im März 1959 als "Hellenen verkleidet beim Meeting in Villach ein und kämpften in gereimten Reden für eine neuerliche Verlegung des Villacher Meetingtages.

Als Ausweg wurde vereinbart, etwa alle 3 Monate ein gemeinsames Meeting zu veranstalten, ein Plan, der allerdings nicht vollständig eingehalten werden konnte. Aber es kam doch auch in den Folgejahren immer wieder zu gemeinsamen Veranstaltungen. So erinnern wir uns z.B. gern an das 1996 unter den Präsidenten Wolfgang Leitner und Peter-Christian Herbrich zustande gekommenes qemeinsames Meeting in Villach."

 

 

Quelle: Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum Rotary Club Villach

Kontakt

RC Villach

Warmbaderhof, Kadischenallee 22

9504 Warmbad-Villach

villach(kwfat)rotary(kwfdot)at +43
Montag, 19.30 Uhr
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