Österreicher spendenfreudiger denn je.

Österreicher spendenfreudiger denn je.

In den vergangenen 12 Monaten haben rund 63 Prozent der ÖsterreicherInnen gespendet. Trotz eines leichten Rückgangs der Anzahl der SpenderInnen gegenüber dem Vorjahr spendeten Herr und Frau Österreicher durchschnittlich rund 92 Euro; 2011 waren es nur 87 Euro.

Wer spendet, erklärt sich solidarisch mit den Armen und Schwachen - dies ist einer der Beweggründe für das Spenden. Als weitere Motive kommen die Sympathie gegenüber der Organisation, der überzeugende Hilfeaufruf sowie Mitleid in Betracht.

Wie bereits im Jahr zuvor dürfte die vielbeworbene steuerliche Absetzbarkeit von Spenden keine besondere Triebfeder für das private Spendenverhalten sein, sondern bloß ein erfreulicher Nebeneffekt. Rund 8 Prozent spenden (eher) aus diesem Grund. Anders ist dies bei Unternehmen: hier ist die steuerliche Absetzbarkeit für rund 21 Prozent ein Motiv.

Kinder liegen nach wie vor mit 28 Prozent an der Spitze der Spendenziele, gefolgt von Spenden für Tiere (~22%). An dritter Stelle (~13 %) finden sich bereits Spenden zur Bekämpfung des Hungers in der Welt sowie Spenden für Obdachlose/Bettler. Letztere konnten eine Zunahme von rund 5 Prozentpunkten verzeichnen. Langfristig betrachtet zeigt sich ein Trend in Richtung vermehrter Spenden für Obdachlose, sozial Benachteiligter, Hunger in der Welt und Tiere.

Erstaunlich ist, dass für Tiere eher gespendet wird als für die Bekämpfung des Hungers in der Welt. Hierzu meint der Studienleiter Bernhard Hofer von Public Opinion: "Hunger in der Welt ist für die Mehrheit der ÖsterreicherInnen weit weg, und die Wahrnehmung von Bedürftigkeit nimmt oftmals mit der Entfernung ab."

Bei den unterschiedlichen Spendenformen zeichnet sich folgende Entwicklung ab: eine leicht steigende Tendenz findet man bei den Spenden für Bettler, Blut- oder Sachwerte-Spenden sowie bei der unentgeltlichen Mitarbeit bei einer Hilfsorganisation. Eher rückläufig sind Spenden an der Wohnungstür, bei Straßensammlungen, in der Kirche, Bezahlung von Glückwunschkarten und kleineren Geschenken sowie der Kauf von Abzeichen, Briefmarken, Losen etc. für einen guten Zweck.

Um Spenden zu erhalten, ist Öffentlichkeitsarbeit unumgänglich. Insgesamt betrachtet gesteht man den Spendenorganisationen hierfür durchschnittlich rund 14 Prozent vom gespendeten Geld zu.

Während sich das Jahr 2011 als Finanz-Euro-Krisenjahr negativ auf die Spenden-Mentalität ausgewirkt hat, dürfte sich die Situation nunmehr wieder erholt haben. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen in nahezu allen Bereichen die Bekanntheits und die Sympathiewerte der Spendenorganisationen. Vor allem der Bereich Medizin (Ärzte ohne Grenzen, Rote Nasen Clowndoctors) und Tiere (Tierschutzverein, Vier Pfoten, WWF) haben davon profitiert.

Einzige Ausnahme ist die Caritas, deren Sympathiewerte merklich nachgelassen haben. "Der Grund dürfte allem Anschein nach in der derzeitigen Krise der Katholischen Kirche zu finden sein, wofür die Caritas sozusagen 'mitbüßen' muss," vermutet Studienleiter Bernhard Hofer.

Datengrundlage:

N=1000, Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Face-to-face-Befragung
Befragungszeitraum: Oktober/November 2012.
Statistische Schwankungsbreite: +/- 3 Prozent
In den Jahren 1996, 2000, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011 führte das Public Opinion Institut für Sozialforschung repräsentative Bevölkerungsumfragen zur Spendensituation in Österreich durch. Im Laufe der Zeit konnten so interessante Eindrücke von der Entwicklungen am österreichischen Spendenmarkt gewonnen werden. Die vorliegende Untersuchung versteht sich als weiteres Mosaiksteinchen.