Königreiche zwischen Himmel und Erde

Der bekannte Fotograf, Dokumentarfilmer, Entdecker und Buchautor Bruno Baumann erkundet seit vielen Jahren die entlegensten Winkel dieser Welt - und gehört mittlerweile zu den wohl besten Kennern von Tibet bzw. des gesamten Himalayaraumes. Baumanns atemberaubende Fotos und Filmsequenzen - textlich untermalt von seiner schier unerschöpflichen Expertise gewonnen aus Dutzenden Aufenthalten im Himalayagebiet - schickten Samstagabend (23.3.) die über 300 gespannt interessierten Besucherinnen und Besucher im VeranstaltungsZENTRUM Feldbach auf eine Reise entlang von Pilgerwegen und Götterbergen - und das auf der wohl höchstgelegenen Fußgängerzone der Welt. Veranstaltet wurde der multimediale Vortragsabend vom Rotary Club Feldbach, der mit dem Reinerlös aus diesem Abend zwei Hilfsprojekte - Bildung und medizinische Versorgung ­- in Nepal unterstützt. 

Hundert göttliche Zeitalter reichen nicht aus, um alle Wunder und Herrlichkeit des Himalaya zu beschreiben", zitierte Baumann zu Beginn seines Ausführungen die Überlieferung einer alten indischen Schrift. Und er sollte recht behalten. Denn was das Himalayagebiet wirklich zu bieten hat, zeigte Baumann in seiner über zweistündigen Show - kompakt zusammengefasst - auf.

Von Schamanen, Sherpas und Königen.

Wenn man als Europäer an das Himalayagebiet denkt, so assoziiert man als "Laie" mit der Gebirgskette meist Begriffe wie Dalai Lama, Nepal, Entschleunigung, Sherpas,  Extrembergsteiger oder die Welt der Achttausender. Dass das höchste Gebirgsmassiv der Erde, das sich auf knapp 2.700 Kilometer erstreckt und an dem Staaten wie Pakistan, Indien, China, Nepal und Bhutan Anteil haben mehr als nur das vorhin Genannte ist, vermittelte Baumann anschaulich. Mit einem gleichsam faszinierenden wie kritischen Blick auf Natur, Menschen und Mächte, auf Tradition, Tourismus und Moderne, auf Kultur und Religionen, auf Klöster, Königshäuser, Schamanen, Sherpas, Nomaden und Götterberge - bot Baumann den über 300 Besucherinnen und Besuchern eine leicht verständliche und nachvollziehbare Einordnung mit geographischem, ethnologischem, soziologischem und philosophischem Tiefgang.

Baumanns Vortrag entführte das Publikum auf eine Zeitreise, deren Bogen sich vom Urmeer bis zum Zeitalter der Digitalisierung spannte. Anschaulich auch sein Eindruck über Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. War Kathmandu zu Beginn seiner Entdeckungsreisen Anfang der 1980er Jahre noch ein beschauliches "Dorf" mit ein paar Zehntausend Einwohnern, so hat sich in den letzten vier Jahrzehnten eine vollkommene Verwandlung Kathmandus stattgefunden - heute gibt die Stadt bereits 3,5 Millionen Menschen eine Heimat, Tendenz weiter steigend.

Zusätzliche interessante Erkenntnisse liefert der Vortrag auch - im Besonderen was die oft missverständliche Auslegung des Wortes "Sherpas" betrifft. Während im allgemeinen Sprachgebrauch damit fälschlicherweise oft die "Berufsbezeichnung" eines Lastenträgers oder Tourguides assoziiert wird, steht der Name für eine Volksgruppe, die aus dem Osten kommend in das Zentral- und Süd-Himalaya-Gebiet eingewandert ist.

Über Mustang und Bhutan.

Weitere Station in Baumanns Vortrag war das ehemalige buddhistische Königreich Mustang, das einst Zentrum des Salzhandels über den Himalaya war. Über Generationen hinweg führten Händler Karawanen über das karge Hochplateau Mustangs, dessen Tore für ausländische Besucher bis 1992 verschlossen blieben.

Den Abschluss bildete ein Blick hinter die Tore des Königreichs Bhutan, das für seine Abgeschiedenheit sowie für seine nachhaltig ökologisch Bewirtschaftung bekannt ist. Ein Land, dass Touristenaufenthalte streng reglementiert, der Globalisierung in vielen Bereichen trotzt und dessen Wohlstand anhand des Bruttosozialglücks gemessen wird. Und weltweit wohl das einzige Land, dessen traditionelle Häuser außenseitig über überdimensionale Phallus-Symbole verfügen und der Straßenverkehr - ohne auch nur eine einzige Ampelregelung zu haben -  trotzdem fließt.

Reinerlös geht an zwei Hilfsprojekte in Nepal.

Der Reinerlös dieser Veranstaltung fließt, so Rotary-Feldbach Präsident Ing. Mag. Walter Huber - der die Gäste aus Nah und Fern mit Feldbachs Bürgermeister Ing. Josef Ober an der Spitze bei dieser Multimedia-Show begrüßte - in zwei internationale Hilfsprojekte in Nepal, da das Land zu den ärmsten Ländern der Erde zählt.

Zum einen unterstützt der Rotary Feldbach (seit vielen Jahren) ein Bildungsprojekt der Marshyangdi Boarding High School in Kathmandu, wo es Kindern ermöglicht wird - die ohne Unterstützung aus dem Ausland keine Chance auf Bildung hätten - einen entsprechend erfolgreichen Schulabschluss mit späterer Möglichkeit zur Berufsausbildung zu erreichen. Zum anderen wird eine Initiative von Bruno Baumann unterstützt, die sich um eine zumindest rudimentäre medizinische Betreuung und Versorgung der Bevölkerung in abgelegenen Gebieten angenommen hat. Eine dringend erforderliche Aktivität, wenn man bedenkt, dass es diese in Regionen, oft halb so groß wie die Steiermark, nach wie vor nicht gibt.

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